Nordland-Reise 2019

Eine aufregende Nordlandreise liegt hinter uns. Von Berlin ging es via Stockholm nach Luleå, der nördlichsten Stadt an der Ostsee. Wir landeten auf einer schneebedeckten Piste – in Deutschland wäre hier schon der Flugverkehr zusammengebrochen. Die Hauptstadt der Provinz Norbottens län hat sich die drei Tage wettermäßig nicht gerade von ihrer besten Seite gezeigt. Durchgängig Schneefall und starker Wind. Dafür war es aber drinnen umso gemütlicher und wir verbrachten eine tolle Zeit bei und mit unserem Freund und Gastgeber Dalibor. Vielen Dank dir und auch Nikola für die tolle gemeinsame Zeit.

Mit dem Schlitten durch das schwedische Lappland

Trotz des ungemütlichen Wetters haben wir uns aber am Samstag herausgewagt und haben eine erlebnisreichen Husky-Schlittenfahrt erlebt. (Durch eine sonnige Schneelandschaft kann ja jeder reisen.) Aufgrund des starken Schneefalls mussten die Veranstalter mit einem Schneemobil den Weg für uns freilegen. Und wir hatten 12 statt der üblichen 8 Huskys vor uns (Sie sagten jedenfalls, dass es am vielen Schnee lag und nicht an uns.). Es war zwar mit ca. -8 Grad nicht bitterkalt (eine Woche vorher waren -25 Grad), aber durch den Schnee war es schon recht ungemütlich aber auch super schön. Wir waren ja – entsprechend der Empfehlung – auch perfekt mit mehreren Lagen eingepackt. Unterhose, lange Unterhose, Jogginghose und Skihose sowie Unterhemd, T-Shirt, dicker Pullover, Ski-Anorak und noch eine dicke Winterjacke oben drüber. Und selbstverständlich zwei Paar dicke Socken. Nur im Gesicht wurde es etwas kühl und die Gläser der Sonnenbrille waren irgendwann zugefroren.

Zunächst wurde den Huskys ihr Geschirr angelegt und sie waren voller Energie und extrem aufgeregt und laut.
Und dann ging es auch ganz schnell los, durch verschneite Wälder und über große freie Flächen (möglicherweise Seen). Es fühlte sich an wie im Schlitten der Eiskönigin auf dem Weg zum Nordpol.
Anschließend gab es Kaffee und selbstgemachte Kanelbullar (Zimtschnecken) am Feuerplatz in der Blockhütte. Und dann ging es nochmal zu den Huskys die nun nicht mehr aufgeregt sondern ganz lieb und kuschelig waren. Wir haben jeden der 24 Hunde geknuddelt und hätten an liebsten einen eingepackt…
Vielen Dank für das aufregende Erlebnis an https://www.luleaadventure.se.

Der schwedische ESC-Vorentscheid 2019

Am Abend gab es dann das nächste Highlight in der Wohnung unseres Freundes Dalibor. Wahrscheinlich alle Schwule von Luleå und Umgebung waren zum Melo-Finale geladen und wir hatten einen tollen Abend und haben neue Freundschaften geschlossen.

Das Melodienfestival ist der schwedische Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Nachdem in den letzten Wochen bereits sechs lokale Finale stattfanden, wurde dann am Samstag in einer Riesen-Show, der Teilnehmer für den ESC 2019 in Tel Aviv gekürt: John Lundvik singt dort „To Late for love“ und wird damit sicher einige Plätze besser abschneiden, als unsere deutsche farblose Nummer. Ich denke der NDR sollte sich mal von den Schweden abschauen, wie man einen guten Teilnehmer findet. Ein ähnliches Auswahlkonzept gab es ja im Jahr 2010 in Deutschland auch, als es eine Kooperation mit Stefan Raab und Pro7 gab und letztendlich Lena für Deutschland gewann.

Aber zurück zu unserer Nordland-Reise:

Das alte Luleå – verlassenes Kirchendorf

Am Sonntag ging es nach Gammelstad (deutsch: alte Stadt). Das alte Zentrum Luleås ist ein typisches schwedisches Kirchendorf und heute UNESCO-Weltkulturerbe. Etwa 400 Hütten erwarteten uns. Und obwohl hier kaum Menschen leben, hatte man das Gefühl mitten in einem lebendigen Ort zu sein. An den Fenstern hingen Gardinen und Blumen standen auf den Tischen. Die Hütten düfen heute nur noch als Sommerhaus genutzt, das Übernachten ist allerdings in Gammelstad nicht mehr erlaubt. Es war als würden wir durch eine Filmkulisse einer Lindgren-Verfilmung laufen und Michel aus Lönrneberga oder Pipi Langstrumpf kommen gleich um die Ecke.

Ein weiteres Highlight war der Blick vom Stadthaus über Luleå und ein kurzer Spaziergang über den zugefrorenen Bottenwiek, den nördlichen Teil des Bottnischen Meerbusen, der wiederum der nördlichste Teil der Ostsee zwischen Finnland und Schweden ist. Es fühlt sich schon seltsam an, auf dem offenen Meer über Eis zu spazieren oder sich mit dem Schlitten schieben zu lassen. Leider war es für einen langen Spaziergang zu stürmisch und eiskalt.

Bevor wir den Sonntag dann gemütlich mit einem Saunabesuch haben ausklingen lassen, gab es noch leckeren Kaffee und Kuchen. Kermit musste leider dran glauben und erlag an einer Kopfverletzung.

Von Luleå nach Narvik

Montag früh haben wir uns dann von Luleå verabschiedet und unsere Reise noch weiter in den Norden angetreten. Zumindest an diesem Tag hat dann auch die Sonne für uns gelacht und wir hatten eine Vorstellung von der Schönheit der umliegenden Landschaft.

Dalibor kam extra von der Arbeit zum Bahnhof, um uns noch Semlor – einen typischen schwedischen Kuchen – als Reiseproviant mitzugeben.
Mit dem Zug Nr. 96 und gerade mal drei Waggons und vielleicht zehn Passagieren ging es dann los Richtung Norden. Aber nach etwa 30 Minuten Fahrt hatten wir einen ungeplanten Halt von 90 Minuten, da der Nachtzug aus Stockholm verspätet war. Wir nutzten die Zeit uns das Städtchen Boden anzuschauen. Aus dem Nachtzug kamen dann tatsächlich ein paar Dutzend Leute und unsere Reise durch weite verschneite Landschaften und herrlichen Sonnenschein konnte weiter gehen. Marko hat sogar einen Elch gesehen und wir haben eine Rentier-Herde beobachtet, die in der Nähe rastete.
Irgendwann haben wir dann den Polarkreis überquert, der an der Strecke mit Schildern markiert ist.
Die Bahnstrecke führt dann nach Kiruna und dieser Ort ist der eigentliche Grund für die Existenz dieser sogenannten Erzbahn. In und um Kiruna gibt es riesige Eisenerz-Vorkommen die dann mit endlos langen Zügen nach Luleå zur Ostsee bzw. nach Norden nach Narvik am Antlantik transportiert werden. Und dahin führte uns unsere Reise nun.
Irgendwann waren wir dann im letzten schwedischen Städtchen Riksgränsen und überquerten danach die Grenze nach Norwegen – was allerdings weit weniger spektakulär war, als erwartet. Obwohl es eine EU-Außengrenze ist, gab es keinerlei Kontrollen und auch keine Markierung an der Strecke durch Flaggen von Schweden und Norwegen. Die Landschaft wurde dann immer zerklüfteter und es startete eine beeindruckende Abfahrt bis zum Oftofjord.
Durch unsere Verspätung verpassten wir zwar den Sonnenuntergang über dem Fjord, aber wir hatten trotzdem eine tolle Reise. Übrigens der Lokführer hat es geschafft, aus den 90 Minuten Verspätung am Ende nur 30 Minuten werden zu lassen. Er hatte wahrscheinlich irgendwann eine Abkürzung genommen.

Willkommen im Spielzeugland

Narvik war dann viel größer, als wir es erwarteten. Zu unserem Hotel war es ein Fußweg von etwa 20 Minuten. Eigentlich sollte unser Zimmer in der 5. Etage des Scandic-Hotel liegen – wir haben dann aber unseren Charme spielen lassen und haben ein Zimmer in der 13. Etage bekommen. Der Blick war sensationell und unter uns lag nun ein Miniaturland. Es sah aus wie eine große Eisenbahnplatte mit dutzenden Gleisen, Lockschuppen, Verladekran, Hafen, Frachtschiffen und Spielzeugautos. Eigentlich fehlte in unserem Zimmer nur noch das Bedienpult, um die Welt unter uns zu steuern.
Außer dieser fantastischen Welt unter uns hat uns aber natürlich der Himmel interessiert. Unser Zimmer lag Richtung Nordwest. Im Westen war der Himmel noch immer dunkellila und mit den Fjorden und den weißen Bergen sah es einfach fantastisch aus. Wir aber starten Richtung Norden und richteten unsere Kamera aus. Wo waren sie nun, die Nordlichter? Nichts war zu sehen und leider zogen dann auch Wolken auf und wir entschieden uns noch einen Rundgang durch das Hafengebiet zu unternehmen, zu essen und zu schlafen. Natürlich gab es eine typische norwegische Spezialität zum Abendessen – Pizza.

Auf der Suche nach den Nordlichtern

Neuer Tag, neue Chance auf Nordlichter? Wir haben gleich vormittags versucht uns noch kurzfristig für den Abend zu einer geführten Nordlicht-Such-Expedition anzumelden. Leider war weder die Schneeschuhwanderung noch die Snowmobilfahrt zu einem Samischen Winterquartier möglich und wir haben dann auch akzeptiert: diesmal soll es wohl nicht sein. Wir haben dann das Narvik Kriegsmuseum besucht und uns mit dem wohl dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte beschäftigt. Durch die exponierte Lage war Narvik im zweiten Weltkrieg ein strategisches Ziel der Nazis und im Frühjahr 1940 fand im Oftofjord eine bedeutende Seeschlacht statt und die Nazis besetzten das Land. Neben dem zweiten Weltkrieg beschäftigt sich das Museum aber auch mit aktuellen Fragen von Krieg, Flucht und Vertreibung. Das Museum ist definitiv einen Besuch wert.

Anschließend haben wir uns dann wieder in mehrere Lagen Klamotten verpackt und sind zur – gerade vor 3 Wochen neu eröffneten – Narvikfjellet Seilbahn gewandert. Tatsächlich waren wir nach 50 Minuten Fußmarsch bei herrlichem Sonnenschein und -9 Grad durchgeschwitzt. Die Auffahrt belohnte uns dann mit weiteren spektakulären Blicken über den Fjord. Von der Bergstation sind wir durch den Schnee gewandert und kehrten im Bergrestaurant ein. Dort konnten wir dann den am Vortag verpassten Sonnenuntergang über der bizarren Fjordlandschaft bewundern. Aber wir hatten auch noch nicht so ganz aufgegeben, ob es uns nicht doch noch gelingen sollte, Nordlichter zu sehen. Die Nordlicht-Vorhersage App machte uns mit ca. 10% Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten Stunde nicht viel Hoffnung und so mussten wir ohne Erleuchtung irgendwann die Abfahrt antreten. Von der Gondelbahn führte uns unser Weg durch Narviks Straßen und wir beschlossen noch die westliche Seite der Stadt zu erkunden und zum Fjord zu spazieren. Nordlichter von der Stadt aus zu sehen, ist aufgrund des vielen Lichts eher unwahrscheinlich und nur bei sehr starkem Polarlicht möglich.

Am Fjord lag ein Yachthafen und tatsächlich gab es einen ganz blassen Streifen am Himmel. War das nun das Nordlicht oder doch nur eine Wolke? Mit der Kamera konnten wir trotz Langzeitbelichtung nichts ausmachen. Im Hafen kamen wir dann aber mit einer Norwegerin ins Gespräch, sie bestätigte uns, dass dieser Streifen ein schwaches Licht der Aurora borealis war. Wir haben nun also tatsächlich irgendwas gesehen. Aber spektakulär war das nicht wirklich. Die Frau empfahl uns weiter Richtung Norden zu laufen, wo weniger Lichtverschmutzung war und machte uns tatsächlich Hoffnung das wir was sehen könnten. Die Nordlicht-App sprach aber von nur 20% Wahrscheinlichkeit. Und natürlich wollten wir nicht aufgeben und sind weiter gelaufen. Und tatsächlich wurde es dann auf einmal magisch am Himmel. Es waren zwar nur schwache Nordlichter – aber es war beeindruckend surreal. Auf unseren Fotos ist aufgrund der Langzeitbelichtung mehr sichtbar, als unsere Augen mit all dem Licht von Narvik wahrnehmen konnten. Aber es war da und wir haben es gesehen. Aus Richtung Norden kam der Lichtschleier – teilweise ringförmig – über die gerade neueröffnete Hålogaland-Brücke auf uns zu. Das Spektakel dauerte vielleicht 15 Minuten und es war wunderschön. Und es machte Lust auf mehr.

Eine weitere Reise in den Norden und vielleicht sogar eine richtige mehrtägige Expedition steht nun ganz oben auf unserer Reisewunschliste.

Aber nun würde es erstmal Zeit die Rückreise anzutreten. Mit dem Bus ging es über die neue erbaute Hålogaland-Brücke, Nordeuropas zweitlängste einspannige Hängebrücke, zum Flughafen Harstad/Narvik in Evenes. Leider hatte unser Norwegian-Flug nach Oslo dann zwei Stunden Verspätung… aber dank der Verspätung hatte ich Zeit, diesen ausführlichen Reisebericht unseren Nordabenteuers zu verfassen. Nun sind wir bald in Oslo und am Abend geht es dann zurück nach Berlin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert